Geschichte

DIE GESCHICHTE DES SCHLOSSES REICHT BIS IN DAS JAHR 1571 ZURÜCK

Das 1893/94 erbaute Herrenhaus Tremsbüttel ist mit seinen Stilelementen der Neo-Renaissance ein typisches Baudenkmal der Gründerzeit und des Historismus. Heute dient das zwischen den Hansestädten Hamburg und Lübeck gelegene "Märchenschloss" als Tagungs- und Kongresszentrum sowie als traumhafte Location für Hochzeiten und andere private Feierlichkeiten.

Das große Adelige Gut Tremsbüttel wurde 1475 an den Herzog von Sachsen-Lauenburg verkauft, der es als Vogtei und Jagdschloss nutzte. Als Pfand kam es 1571 an die Herzöge von Schleswig-Holstein-Gottorf, die es als Landesherren in ein Amt umwandelten. Die Hofgebäude verfielen im Laufe des 18. Jahrhunderts und wurden fast unbewohnbar.

Mittelpunkt des geistigen Lebens

Der letzte herzoglich-gottorfische Amtmann Graf Christian zu Stolberg-Stolberg (1748-1821) lebte von 1773-1800 hier und ließ ein neues Herrenhaus erbauen. Mit seiner Frau Louise leitete er eine Periode der kulturellen Blüte für Tremsbüttel ein und machte das Herrenhaus zu einem Mittelpunkt des geistigen Lebens in Norddeutschland – vergleichbar mit dem verwandtschaftlich verbundenen Herrenhaus Emkendorf bei Kiel und dem herzoglichen Hof in Eutin, wo sein jüngerer Bruder Friedrich Leopold Graf zu Stolberg-Stolberg zuletzt Kammerpräsident war. Beide Brüder waren Jugendfreunde von Goethe. Die gräfliche Familie führte ein mit Dichtungen und Übersetzungen, Freundschaftskult und Briefeschreiben angefülltes Leben. Zu ihren häufigen Gästen gehörten Matthias Claudius (der "Wandsbeker Bote" und Dichter u.a. des Liedes „Der Mond ist aufgegangen“), Friedrich Gottlieb Klopstock und der Humanist Wilhelm von Humboldt.

Vorübergehend gab Tremsbüttel auch Vertriebenen der Französischen Revolution Heimat, so u.a. dem Marquis Joseph de Lafayette, General im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg und Befehlshaber der französischen Nationalgarde. Auch General Comte Mathieu Dumas hat hier zeitweise gelebt und den ersten Teil eines großen kriegshistorischen Werkes verfasst.

Im Jahr 1800 gab Graf Christian zu Stolberg die Amtmannstelle auf und verkaufte den Gutsbetrieb. Danach wechselten die Besitzer in rascher Folge. Die Amtsverwaltung wurde 1802 mit den Ämtern Reinbek und Trittau zusammengelegt. Ein neuer Abschnitt in der Geschichte des Gutes war die Übernahme durch den Remscheider Unternehmer Alfred Hasenclever (1859-1908) und seiner Frau Olga, Tochter des Vorbesitzers Strack. Diese ließen das heutige Herrenhaus oder "Schloss" 1893/94 durch die Berliner Architekten Hans Grisebach und Georg Dinklage erbauen.

Unterschiedliche Baustile

Der für Tremsbüttel typische Stil des Historismus galt lange Zeit als Periode „der stillosen Stilhäufung“. Heute sieht man diese einst verpönte Epoche sehr viel nüchterner: Historismus als Ausprägung des Zeitgeistes und auch der seinerzeit gelebten Leidenschaft für die Erforschung der deutschen Geschichte. Hinzu kamen die neuen technischen Möglichkeiten der Nachahmung alter Stile, welche die Menschen faszinierte. Man hatte die Absicht, aus den verschiedenen älteren Stilrichtungen gewissermaßen das Beste und jeweils Angemessene herauszufiltern und zu verwirklichen. Im Grunde bildet der Historismus eine Periode innerer Unsicherheit und Zerrissenheit ab: auf der einen Seite der bürgerliche Liberalismus und wirtschaftliche Sturm und Drang der Gründerzeit, andererseits das hartnäckige Festhalten an den schließlich nicht mehr zeitgemäßen Strukturen des Kaiserreiches. Wie sollte man bauen, wie sich einrichten? Der schlichte Biedermeier-Stil genügte lange nicht mehr. Der Blick blieb bei den Schöpfungen der Vorfahren haften, sie kamen plötzlich wieder „in Frage“ - das Passende war die Anpassung.

Geschichte des Schloß Tremsbüttel
Geschichte des Schloß Tremsbüttel

Der in Tremsbüttel verwirklichte Stil der Neo-Renaissance galt dabei im Gegensatz zur Neo-Gotik und zum Neo-Rokoko als der Baustil mit deutsch-nationaler Ausprägung. Und so verkörpert das Herrenhaus Tremsbüttel außen wie innen ein nostalgisch verfärbtes und mit deutschem Gemüt befrachtetes Besinnen auf die Vergangenheit – steingewordenes Zeugnis einer großbürgerlichen Epoche.

Der Fortschritt zog ein

In nur zwei Jahren 1893/94 wurde das neue Herrenhaus für den besonders fortschrittlichen Bauherren errichtet: Elektrisches Licht, Fahrräder und Autos wurden in Tremsbüttel früher als anderswo gesehen. Im großbürgerlichen Haushalt arbeiteten bis 1939 ein Diener, drei Zimmermädchen, ein Nähmädchen, eine Küchenhilfe, eine Mamsell und ein Fensterputzer. Hinzu kamen eine Gesellschafterin und eine Erzieherin für die sieben Kinder der Familie Hasenclever.

Die Millionen-Verluste, die Olga Hasenclever durch Kriegsanleihen im Ersten Weltkrieg erlitten hatte, läuteten das Ende dieser Ära ein. 1939 wurde das Restgut Tremsbüttel verkauft und vom neuen Besitzer Jonny Oellerich ein Hotel umgewandelt, das 1949 eröffnet wurde. Vorübergehend galt das Schlosshotel als der größte Devisenbringer im Lande. Honoraronsul Siegfried Zimmermann, der in der Kosmetik-Branche tätig war, führte als Besitzer (seit 1959) das Hotel zu neuer Blüte: In seiner Gästeliste sind so bekannte Namen wie Sophia Loren, die Beatles, die Rolling Stones, Leonard Bernstein und Klaus Kinski verzeichnen. Von Kinski stammt auch die etwas übertriebene Notiz im Gästebuch „Das einzige Hotel, in dem man in Deutschland wohnen kann“.

Nicht nur beim Jet-Set galt es in den 70er Jahren als chic, in Tremsbüttel zu übernachten. Hochzeiten wurden hier gefeiert, zum Beispiel die des amerikanischen Herzchirurgen Dr. Michael DeBakey, bei der sein Star-Patient Curd Jürgens als Trauzeuge fungierte. Hamburger Chefredakteure und Reeder residierten im abgelegenen Schloß Tremsbüttel immer dann gern, „wenn man nicht gesehen werden wollte“. Auch vertrauliche politische Gespräche zwischen dem Hamburger Bürgermeister und dem Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein fanden hier statt. Auf die Dauer aber konnte sich der aufwendige Hotelbetrieb mit nur 31 Zimmern nicht rentieren.

Seminargebäude, Kongresszentrum und wieder Hotel

Zum 1. Juni 1996 übernahm die Hamburger Familie Strathmann das Schloß Tremsbüttel als Seminargebäude und Kongresszentrum. Mittlerweile wurde der Hotelbetrieb wieder ins Leben gerufen und das "Hotel Schloß Tremsbüttel" hat täglich für seine Gäste Türen und Tore und den Park geöffnet.

Wo im Mittelalter ein Gutsbesitzer lebte, später ein herzoglicher Amtmann seinen Verwaltungsaufgaben nachging, wo im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts die Grafen zu Stolberg einen kulturellen Mittelpunkt in Norddeutschland schufen oder Ende des 19. Jahrhunderts ein moderner Gutsbetrieb der Hasenclevers florierte und wo nach Kriegsende ein Hotel seine Gäste verwöhnte, da finden heute Veranstaltungen aller Art statt – wir freuen uns Sie begrüßen zu dürfen!

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